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Selbstmanagement historisch betrachtet

Juni 19, 2008 · Kommentar schreiben

Es boomen Selbstmanagementmethoden und es sprießen Produktivitätssteigerungsratgeber aus dem Boden, überall werden Aufgabenlisten erstellt und neue Gewohnheiten “implementiert”. Was man für das Allerneuste hält, ist häufig schon ein recht alter Hut.
Bei der Besprechung von Benjamin Franklins Autobiographie im Seminar heute stellte sich für mich heraus, dass der gute Franklin bereits Ende des 18. Jahrhunderts mit heutigen Verfahren vergleichbare Methoden anwandte um sein Leben zu organisieren. Mir fällt da zum Beispiel die Methode der allmählichen Implementierung von neuen Gewohnheiten ein, wie zum Beispiel hier oder auch hier.
Franklin ging ganz ähnlich vor, um sich verschiedene Tugenden anzueignen. Dazu erstellte er zunächst eine Liste mit den Tugenden und einer konkreten Beschreibung, zum Beispiel:

3. ORDER. Let all your things have their places; let each part of your business have its time.
4. RESOLUTION. Resolve to perform what you ought; perform without fail what you resolve.
6. INDUSTRY. Lose no time; be always employ’d in something useful; cut off all unnecessary actions.

Franklin hielt es darüber hinaus für sinnvoll, sich die Aufgaben einzeln und nacheinander anzueignen : “My intention being to acquire the habitude of all these virtues, I judg’d it would be well not to distract my attention by
attempting the whole at once, but to fix it on one of them at a time; and, when I should be master of that, then to proceed to another, and so on, till I should have gone thro’ the thirteen.” Tatsächlich enthält die Beschreibung also fast die selben Tipps, wie sie auch heute von Getting Things Done und ähnlichem empfohlen werden. Franklin erstellte eine Monatstabelle, die genau verzeichnete, an welchen Tagen er seine Aufgabe schaffte und an welchen nicht.

Franklins methodisches Vorgehen war dabei überhaupt nicht so selbstverständlich wie es mir zunächst vorkam – die Tatsache, dass der Besitz einer Taschenuhr damals ganz und gar nicht vorausgesetzt werden konnte, das heißt dass ein ganz anderes Zeitempfinden vorherrschte welches mit dem unsrigen mitnichten vergleichbar ist, rückt Franklins zeitlich ganz und gar durchstrukturierten Tagesplan in ein ganz anderes Licht:

THE MORNING.
{ 5 } Rise, wash, and address
{ } Powerful Goodness! Contrive Question. What good shall
{ 6 } day’s business, and take the I do this day?
{ } resolution of the day; prose-
{ 7 } cute the present study, and
{ } breakfast.
{ 8}
{ 9 } Work.
{10 }
{11 }
NOON.
{ 12 } Read, or overlook my ac-
{ 1 } counts, and dine.
{ 2}
{ 3 } Work.
{ 4}
{ 5}
EVENING.
{ 6 } Put things in their places.
{ 7 } Supper. Music or diversion, Question. What good have
{ 8 } or conversation. Examination I done to-day?
{ 9 } of the day.
{ 10 }
{ 11 }
{ 12 }
NIGHT.
{ 1 } Sleep.
{ 2 }
{ 3 }
{ 4 }

Am meisten beeindrucken mich die lediglich 4 angesetzten Stunden Schlaf, mit welchen Franklin stolze 84 Jahre alt geworden ist.
Bei Lifedev findet man weitere Vorreiter der Produktivitätsverbesserung (über ImGriff)

Kategorien: Literatur
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